- Zurück
- Vor
- Know-How > Aufbau von Internetseiten > Navigation > Regeln
Regeln für Navigation
Die folgenden Regeln sind einfach mal zusammengetragen, was uns so begegnet ist.
Wichtig ist immer zu berücksichtigen, dass man Erfolg haben kann, indem man sich an die Regeln hält oder indem man sie bricht.
Daher verwenden Sie die Regeln bitte eher als Anregung, denn als wirkliche Regeln im eigentlichen Sinn!
In der Literatur gibt es die verschiedensten Aussagen zu Regeln.
Christina Wodtke geht in ihrem Buch "Information Architecture" erst kritisch auf Gurus und ihre Regeln ein, um dann ihre eigenen Prinzipien aufzubauen. Henrik Arndt versucht sie aufzuteilen in Prinzipien, Regeln, Normen und Standards.
Unser Rat kann daher nur sein:
"Like Bill Monroe, the father of bluegrass said: Go get your own style"
Nutzen Sie Vorschläge in der Literatur als Anhaltspunkt, um eigene Erfahrungen zu machen.
Allgemeine Regeln
- Jeder Inhalt muss einen Platz in der Struktur haben.
Mag sich ungewöhnlich anhören, wurde aber schon vergessen. - Fehlerminimierung
Ihr Grundprinzip sollte immer sein: Entfernen Sie alle Stolpersteine! Überlegen Sie sich wo ein Nutzer Fehler machen könnte. Verwenden Sie dazu Nutzungsszenarien. - Mehrere Meinungen
Bauen Sie Ihre Struktur nicht nach persönlichen Vorlieben auf! Weder Ihren noch denen des Kunden. Holen Sie sich weitere Meinungen zu Ihrer Strukturierung ein. Kein Mensch kann eine für alle verständliche Struktur schaffen. Fragen Sie die Leute nicht, ob sie es mögen, sondern wo sie Fehlerquellen sehen. - Orientierung an der Realität
Orientieren Sie sich immer an der Realität und suchen Sie nach gängigen Konventionen. Die meisten Inhalte wurden schon dargestellt, bevor es das Internet gab und es haben sich über Jahrzehnte gute Vorgaben entwickelt. Wenn es bereits eine verbreitete Lösung gibt, ist das auch für Sie die beste. - Versuchen Sie keine neuen Logiken zu entwickeln.
Das Internet existiert seit mehreren Jahren. Sie können sich so gut wie sicher sein, dass irgendwer schon das selbe Problem hatte wie sie. Versuchen Sie herauszufinden wer und wie das Problem gelöst wurde. - "Mit weniger Klicks zum Inhalt."?
Das ist eine gängige Forderung und ihr untergeordnet werden oft auf Biegen und Brechen Ebenen gestrichen. Was der Nutzer allerdings will, ist einen Inhalt finden. Ob ihn das viel Energie kostet, weil er erst eine endlose Liste von Links durchlesen muss oder weil er einen Klick mehr macht ... So lange er weiß wo er ist, woher er kommt und wo es weiter geht und wenn er zum Schluss den gewünschten Inhalt findet, ist jeder Pfad legitim.
Steve Krug (Mehr Info) spricht dabei auch von: Eine Mischung aus "So wenig Klicks wie möglich" und "So wenig Nachdenken wie nötig". - Trennung
Navigationsbereiche müssen auf einer Internetseite logisch voneinander getrennt sein (am einfachsten grafisch). - Fester Ort für Navigation
Navigation muss sich innerhalb eines Internetauftritts immer am gleichen Ort befinden. - Verbindung zwischen Navigation und Inhalt
Je näher die Navigation mit dem Inhalt verknüpft ist, desto deutlicher muss sie mit ihm verbunden sein. Das ist ein grafischer Aspekt, der sich allerdings stark auf die Entwicklung von Navigationssystemen auswirkt.
Reihenfolge der Nähe zum Inhalt (abnehmend):- Funktionsnavigation
- Teasernavigation
- Navigationspfad
- Related Navigation
- Hauptnavigation
- Servicenavigation
- Meta-Navigation
- Je mehr wiederkehrende Nutzer, je wichtiger die Navigation
Jeder Nutzer der öfter wiederkehrt sucht bestimmte, konkrete Inhalte und er findet diese am einfachsten, wenn sie sich nach einer klaren Logik immer an der gleichen Stelle wiederfinden. - Verhalten des Navigationspunktes
Besprechen Sie mit der Gestaltung und der Technik, wie ein Navigationspunkt sich verhält, wenn man mit der Maus drüber fährt oder wenn man klickt.
Jeder erwartet etwas, wenn er einen Navigationspunkt wählt. Überlegen Sie, welche Erwartungen im gegebenen grafischen und technischen Umfeld bestehen könnten. - Je aktueller ein Auftritt ist, desto flacher ist seine Struktur
Es würde keinen Sinn machen, jedes Mal die hierarchisch darüber liegenden Seiten zu aktualisieren, nur weil sich an einer Unterinformation etwas ändert.
Hier spricht man auch von Portalen.
Beispiele:
Nachrichtenportale wie spiegel, Focus oder stern.de oder yahoo, die maximal eine Zwischenebene haben, bevor man die jeweilige Information erreicht. - Maximal Sieben plus/minus zwei Navigationsbereiche
Man gibt die Zahl Sieben als Richtwert an, weil das die Anzahl an Informationen ist, die sich die meisten Menschen im Kurzzeitgedächtnis merken können.
Quellen: - Je weniger Navigationsbereiche desto besser
Die Logik dahinter ist relativ simpel: Je weniger Auswahlmöglichkeiten man hat, desto wahrscheinlicher trifft man die richtige Wahl und findet das was man sucht. - Klare Abgrenzung von Inhalten
Die Bereiche müssen klar umrissen sein. Es bringt nichts, zwei klar getrennte Bereiche zusammen zu legen, aber es bringt auch nichts wenn man aus Gründen besserer und schnellerer Erreichbarkeit zu viele Navigationspunkte hat. - Motivation
Gute Begriffe machen neugierig und zeigen dem Besucher eines Internetauftritts Facetten, die er vielleicht noch nicht kennt. - Konventionen
Verwenden Sie Begriffe, die in der Zielgruppe vertraut sind. Je größer die Breitenwirkung des Internetauftritts sein soll, desto allgemein verständlicher müssen Sie Ihre Begriffe wählen. Je klarer und eingeschränkter die Zielgruppe ist, desto mehr müssen Sie sich auf Fachvokabular konzentrieren. Machen Sie sich dazu mit dem Wortschatz der Zielgruppe vertraut. Gute Quellen sind Thesauri, Konkurrenz- und vergleichbare Internetauftritte. - Präzision
Beschreiben Sie den folgenden Inhalt so präzise wie möglich. Vermeiden Sie Homonyme (ein Wort, verschiedene Bedeutungen; z. B.: Schloss). Bei sehr umfangreichen Navigationsbereichen können Beschreibungen, die bei mouse-over erscheinen, dem Besucher helfen, den gesuchten Inhalt zu finden. - Konsistenz
Achten Sie auf Konsistenz bei der Benamung von Navigationspunkten und Funktionsbuttons. - Navigationssysteme
Entwickeln Sie nicht einzelne Navigationsbegriffe, sondern Begriffsysteme, wo die einzelnen Punkte zueinander im Verhältnis stehen und in Terminologie und Granularität konsistent sind. - Inhaltsprüfung
Prüfen Sie, ob der Inhalt wirklich dem Navigationsbegriff entspricht. Legen Sie Konventionen für die Seitenbenamung fest, so dass ein Besucher nach Wahl eines Navigationspunktes im Inhalt wiederfindet.
Der Seitentitel soll dem Navigationsbegriff ähnlich sein respektive klar zum Begriff gehören. - Welchen Begriff "erwartet" der Nutzer?
Nehmen Sie sich die Zeit und prüfen Sie die Begriffe. Forschen Sie im Wortschatz des Kunden. Helfen kann Ihnen dabei:- Kunde, Sprachgebrauch
- Nutzungszenarien
- Fachwörterbuch
- Branchenwortschatz (auf Konkurrenzseiten)
- Testen Sie Synonyme
Überlegen sie sich Synonyme. Überlegen Sie ob diese besser funktionieren. Verwenden Sie Thesauri. - Sprachversionen
Achten Sie bei mehrsprachigen Seiten auf eine Sprachenanpassung der Navigation. Im besten Fall können Sie natürlich Begriffe verwenden, die in allen angebotenen Sprachen funktionieren. Prüfen Sie Ihre Begriffe in allen angebotenen Sprachen. Übersetzen Sie generell in die jeweilige Sprache. - Strukturtyp
Navigationsbegriffe je nach Strukturtyp: Ein hierarchisches System braucht klare, übergeordnete Begriffe; Hypertext (Querverweise) funktionieren über Begriffe aus dem Kontext
Regeln für Suchen
Die Gestaltung von Suchen und Ergebnislisten ist ein umfangreiches Thema, auf das wir hier nur eingeschränkt eingehen.
Suchprozess:
- Einschränkung der Suche
Erklären Sie welche Bereich Sie durchsuchen und was gefunden werden kann, wenn nicht über alles gesucht werden kann. - Vermeiden Sie Beschreibungen!
Hilfen oder lange Erklärungstexte liest niemand. - Berücksichtigen Sie mit welcher Intention und wie Nutzer suchen.
- du weißt was du suchst - weißt dass es das gibt (zu faul für die Navigation)
- du weißt was du suchst - weißt nicht ob es das gibt
- du weißt grob was du suchst - erschließt ein neues Gebiet
- du weißt grob was du suchst - erweiterst ein bestehendes Gebiet
Ergebnisse:
- Inhalte müssen findbar sein
Man muss am angezeigten Ergebnis erkennen, wo und was das Gesuchte ist. Überlegen Sie mit welchen Informationen Sie Ergebnisse ausgeben. - Was kann man bekommen, wenn nicht das Gesuchte?
- Nichts
- das Falsche
- zu viel
Wie kann man dann dem Nutzer weiter helfen?
- Iterative Suche
Unterstützen Sie die iterative Suche z. B. mit einer "Suche in den Ergebnissen"
Weitere Quellen für Regeln
Eine sehr gute Quelle ist das Handbuch "Research-Based Web Design & Usability Guidelines", das von der US-Regierung kostenlos zur Verfügung gestellt wird:
http://usability.gov/pdfs/guidelines.html
(Achtung der Download des Buches hat 161 MB! Englisch)
Grundsätze der Dialoggestaltung nach DIN-Norm 9241-110 (bei Wikipedia)
http://de.wikipedia.org/wiki/ISO_9241
Jakob Nielsen - Heuristik
http://www.useit.com/papers/heuristic/heuristic_list.html
- Zurück
- Vor
- Know-How > Aufbau von Internetseiten > Navigation > Regeln
Die aktuelle Version des Handbuchs für Konzeption als PDF zum downloaden.