Gesetz #3 der Konzeption: Die invertierte Weltsicht
So als Konzepter, da misst man ja gerne mal mit zweierlei Maß.
Erstens weiß man natürlich, woher auch immer, seeehr genau wie es eigentlich gehen müsste. Dass das mitunter weder von einer Zahl, noch einer Empirie noch sonst irgendwas, das über die eigene Erfahrung hinaus geht, belegt ist… Ist halt so. “Der Trend geht eindeutig Richtung…”. Oder man hat auch wirklich alles gelesen und durchschaut. Beschäftigt sich Nachts mit der Theorie und Tags mit der Praxis. Man kennt auf jeden Fall für jeden und alles die beste oder zumindest bessere Lösung.
Zweitens ist es mit Kunden nicht immer leicht. Denn die haben – die trauen sich da ziemlich was – eigene Vorstellungen. Die wollen z.B. Punkte auf der Hauptnavigation, die an sich gegen jede Regel verstoßen. Die wollen lieber die großen statt die kleinen Bilder, lieber Grün statt Blau, lieber Bild- statt Textteaser. Und – man kann da jetzt nicht um den Brei rumreden – da werden schon auch mal Entscheidungen gefällt, die so direkt nicht von Steve Krug oder Jakob Nielsen abgesegnet würden. Dann kommt auch noch die Technik dazu. Die wollen oder können oder dürfen die spritzige Idee nicht umsetzen. Und dann ist da eh viel zu wenig Zeit und Geld und alles. Darum sind halt manche Auftritte so geworden wie sie sind. Nicht zwingend schlecht. Aber auch kein Meisterstück.
Und jetzt zur Gesetzmäßigkeit:
Eigene Seiten bewertet der Konzepter grundsätzlich nach Regel 2. Die Seiten anderer Konzepter grundsätzlich nach Regel 1.
Oder sagen wir nicht “grundsätzlich”. Sagen wir lieber “gerne”.
Die aktuelle Version des Handbuchs für Konzeption als PDF zum downloaden.
03.05.2010 um 16:15
Ah cool, so langsam kapiere ich es!