News, Platz, Startseiten und z.B. der King of Pop

Erst eben wieder das gute alte Gespräch gehabt:

- Wir hätten gerne die News auf der Startseite.

- Wie viele haben Sie denn so, News meine ich?

- Naja, vielleicht so alle zwei Monate eine.

- Hm, von einem Newsblock kann man ja da dann kaum sprechen.

- ßfter passiert halt nichts. Wir würden ja gerne öfter was schreiben aber es hat keiner Zeit.

- Und glauben Sie das ändert sich mittelfristig?

- Sieht eher nicht danach aus…

… Naja und so geht das eben weiter. Was mich dabei schon immer erstaunt hat ist, dass das Internet eigentlich einen ganz wesentlichen Vorteil gegenübern jedem Printmedium hat: Die freie Einteilung des Platzes. Eine Zeitung hat immer die gleiche Frontseite in der gleichen Größe. Die SZ hat z.b. 528 mm x 317 mm (andere) . Und dieser Platz ist zu füllen. Gnadenlos. Egal ob der King of Pop gestorben ist, wir Papst sind oder die Gewerkschaft zu Opel dieses oder jenes sagt. Dieser Platz ist unerbittlich. Und er duldet keine Leerstellen.

Eigentlich ganz anders als im Internet. Dort kann eine Seite eine beliebige Länge haben. Esgibt keinen Blumentopf dafür, dass eine Seite immer die gleiche Länge und immer die gleichen Rubriken hat, auch wenn es gerade nichts zu sagen gibt.

Nichtsdestotrotz wird was gesagt. Jeden Tag. Im wahrscheinlich fast gleichen Ausmaß (Ich habe es nicht gemessen, es ist nur ein Eindruck). So wird ein wesentlicher Schwachpunkt der Printzeitung übernommen: Dass an jedem beliebigen Tag etwas zum Topthema hochgejazzt werden muss. Dass aber gleichzeitig an anderen Tagen genau dieses Thema wieder völlig in der Versenkung verschwindet. Das mag an Redaktionsstrukturen liegen und an Prozessen aber der wirklichen Anzahl an Themen wird es nicht gerecht.

Das ist ja jetzt mal nur so ein Gedankengang aber daraus lassen sich für mich so einige Sachen weiter führen: Z.B. der Vorteil eines Blog, der eben nur postet, wenn zu einem Thema etwas zu sagen ist. Die Aufarbeitung mit RSS-Feeds, die einen über dieses Update auf dem Laufenden hält, ohne jeden Tag auf eine Seite zu surfen und alles zu überfliegen. Das heisst: die technische Grundlage gleichzeitig immer in Kontakt sein und nichts zu verpassen gibt es.

Warum die ganze Zeit produzieren, produzieren, produzieren, wenn man alles in einem sagen könnte? (Dafür gibt es übrigens bei CNN.com die sogenannte “developing story”. Ein Artikel zu einem bestimmten Thema, der immer den aktuellsten Stand darstellt.)

In diesem Moment (Freitag abend, 26.06.09, 21:25 Uhr) sind auf der Startseite von Spiegel Online 16 Artikel zum Tod von Michael Jackson, plus Fotostrecke und Videos. Um was gehts da noch? Um Keywordstreuung??? Um … ähh… mir mag nichts einfallen.

Jaja, ich weiß. PIs…. aber das ist doch langweilig, oder? Bringen 16 News mit überschneidendem Inhalt wirklich mehr? Vor allen Dingen inhaltlich? Und vor allen Dingen mir? Lese ich bei dieser Quelle in einem halben Jahr noch? Also heute dicke PIs. Ja Glückwunsch. Aber in einem halben Jahr? Qualitätsjournalismus oder was?

Auch die Dimensionierung von Startseiten. Warum es nicht einfacher, weniger, ausgewählter machen, wenn mal wirklich weniger zu erzählen ist? Warum nicht mal was hervor kramen, zu dem man schon immer mal was sagen wollte, als immer in den gleichen Kategorien zu produzieren.

Das gilt natürlich auch für Firmenseiten. Warum News einstellen, wenn man keine News hat? Warum viel Energie auf News verwenden um auf Startseiten den Eindruck von Aktualität zu vermitteln? Bei wem gehört denn Aktualität zum Kerngeschäft? Von wie vielen Unternehmen erwartet man denn wirklich aktives Handeln durch Nachrichten? Was gegen eine klar aufgeräumte, reduzierte und einfach zu bedienende Seite mit immer dem gleichen Aufbau auf der Startseite? Mit einer klar strukturierten Suche und präzisen, gut aufbereiteten Angaben zum Geschäft. Warum dem Besucher Inhalte vorlegen, die man sich aus den Fingern saugen muss und die ihn zu 80% nicht interessieren? Wenn ich zu einem beliebigen Dienstleister meiner Wahl gehe und mir gleich am Eingang jemand erzählt was so in den letzten Monaten passiert ist… Interessiert mich das?

Aber wie ist es dann auch mit Twitter? Futzelkleine News aber dafür immer neue. Vielleicht bedeutungslos, vielleicht elementar. Ein nicht endender Strom ohne Anfang und Ende, direkt verknüpft mit dem Alltag. Aber ohne Vorgabe. Nur der Platz ist beschränkt. Die Zeit und damit der Rhythmus bleibt völlig offen. Nicht umsonst heisst es auch Microblogging. Die Informationseinheit wird kleiner. Aber sie steht an sich immer für sich alleine. Wieso wirken alle diese de facto neuen Kanäle mit ihrer immensen Nutzung nicht auf die großen Seiten zurück. Außer, dass sie halt auch einen ans Twitter setzen und da posten wie die Irren.

Also ich frage mich einfach: Wie mit News umgehen? Welchen Platz einräumen? Woher kommen News? Und wohin sollen sie?

Eine fortlaufende Frage.

PS. Bei dem Kunden von oben haben wir sie eingebaut. Nicht super prominent aber sie werden da sein.

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